Hausaufgaben sind 2026 sinnlos.

Punkt.

Wir haben bei der GOS keine Hausaufgaben.

Nicht, weil wir es vergessen haben — sondern weil wir es so entschieden haben.

Jedes Mal, wenn ich das jemandem einer “normalen Schule” erzähle, kommt die gleiche Reaktion: ein kurzes Zögern, ein leises Stirnrunzeln. Als hätte ich gesagt, wir verzichten auf Unterrichtsmaterialien. Oder auf Lehrkräfte. Als wäre eine Schule ohne Hausaufgaben keine richtige Schule.

Ich sage es trotzdem. Und ich erkläre auch, warum.

Hausaufgaben prüfen heute nicht mehr Wissen

Sie prüfen, wer zu Hause die bessere KI hat.

Ein Kind, das zu Hause ChatGPT, ein engagierter Elternteil und einen ruhigen Schreibtisch hat, liefert einen anderen Aufsatz ab als ein Kind, das allein am Küchentisch sitzt. Das war schon immer so — aber 2026 ist der Unterschied so groß geworden, dass er nicht mehr zu rechtfertigen ist. Hausaufgaben messen nicht mehr, was ein Kind kann. Sie messen, was sein Umfeld leistet.

Sie bestrafen die Falschen

Kinder aus bildungsfernen Familien sitzen abends allein mit Aufgaben, die niemand mit ihnen durchgeht. Kinder mit Lernbesonderheiten kämpfen stundenlang mit Dingen, für die sie im Unterricht eigentlich Unterstützung bräuchten. Kinder, die den ganzen Tag konzentriert waren, sollen abends nochmal ran.

Wer profitiert? Das Kind, das zu Hause ohnehin schon alles hat. Wer leidet? Alle anderen.

Lernen braucht Pausen

Ein Kind, das nach fünf Stunden Unterricht nochmal zwei Stunden am Schreibtisch sitzt, lernt nicht mehr. Es funktioniert nur noch. Es schreibt ab, klickt sich durch, macht irgendwie fertig. Das ist kein Lernen — das ist Erschöpfung mit Stift.

Gehirne brauchen Zeit zum Verarbeiten. Kinder brauchen Nachmittage zum Leben — zum Spielen, Bewegen, Träumen. Genau das ist keine verschwendete Zeit. Das ist die Zeit, in der Gelerntes wirklich ankommt.

Was stattdessen zählt

Neugier, die über den Unterricht hinausträgt. Ein Kind, das abends freiwillig weiterliest, weiterbastelt, weiterdenkt — nicht weil es muss, sondern weil es will. Das ist das Ziel. Nicht ein ausgefülltes Arbeitsblatt.

Bei der GOS arbeiten wir daran, dass Kinder dieses Feuer entwickeln. Dass Lernen sich nicht anfühlt wie eine Pflicht, die man abhakt — sondern wie etwas, das einem gehört.

Wir wollen keine Kinder, die Hausaufgaben erledigen. Wir wollen Kinder, die Fragen stellen, die niemand aufgegeben hat.

Stefanie Ueberjahn

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